Transport und Handel

Bis ein Kleidungsstück bei uns im Kleiderschrank auf dem Bügel hängt, hat es vermutlich schon mehr von der Welt gesehen, als wir selbst. Die unterschiedlichen Produktionsschritte sind aufgeteilt auf alle Ecken der Erde, weshalb es eine lange und vor allem weite Reise hinter sich hat, bis es in Deutschland ankommt. Problematisch bei den langen Transportwegen ist der damit verbundene hohe CO²-Ausstoß.

Ein Beispiel: Den Anfang macht das Shirt auf den Baumwollplantagen in Lousiana/ USA
ca. 2500 km wird die Baumwolle zum Hafen in New York/ USA transportiert
ca. 10000 km legt Sie in die Türkei zurück um zu Garn versponnen zu werden
ca. 8500 km weit wird der Garn nach Taiwan transportiert um zum Stoff zu werden
ca. 1500 km wird der Stoff nach Hubei/ China in die Färberei gebracht
ca. 2500 km legt dieser zu der Fabrik in Bangladesch zurück um vernäht zu werden
ca. 7500 km weit werden die fertigen Kleidungsstücke nach Deutschland transportiert.
Ein fertiges Shirt hat dann eine Reise hinter sich von insgesamt
ca. 32.500 km

In Deutschland angekommen, werden die Kleidungsstücke in Modehäusern verteilt und dort verkauft. Der deutsche Kleidungsmarkt ist einer der wichtigsten weltweit: Rund 60 Kleidungsstücke kauft jede*r Deutsche durchschnittlich im Jahr. Insgesamt wurden 2019 rund 2,3 Milliarden Kleidungsstücke am deutschen Modemarkt angeboten. Der Anteil der Bio-Mode liegt hier lediglich bei 4 %, was allerdings weltweit verglichen viel ist. Somit ist der Großteil unserer Kleidung konventionell hergestellt. Dabei verwenden die Deutschen durchaus viel Geld für Mode: Im Schnitt geben sie jährlich 910 Euro für Kleidung aus, mehr als genug, um damit komplett bio zu kaufen, eben nur weniger in der Anzahl.

Wer bekommt etwa wieviel von den Kosten eines Shirts?

ca. 59 % der Handel für Personal, Miete, Verwaltung
ca. 12,5 % die Marke für Design und Entwicklung
ca. 12 % sind Materialkosten
ca. 8 % sind Gebühren und Transportkosten
ca. 4 % die Zwischenhändler
ca. 4 % sind Profit der Produktion
ca. 1 % sind Fixkosten
ca. 0,5 % sind Löhne in der Konfektion

Wie viel Prozent des Gesamtbetrags nun am Ende in die jeweiligen Bereiche fließt, unterscheidet sich von fair/bio-produzierter Ware zur konventionellen nicht gravierend. Da aber der Preis ein anderer ist, bleibt am Ende beispielsweise auch mehr für die Löhne in den einzelnen Bereichen.

In den letzten Jahren sind die Verkaufspreise stetig gesunken, aber nicht die Produktionskosten – im Gegenteil, sie sind teilweise wegen höherer Auflagen sogar gestiegen, bzw. ist schlicht die Qualität der Kleidung gesunken. Ein Grund dafür ist, die Kunden weiterhin dazu zu bringen, Sachen zu kaufen, die sie eigentlich nicht benötigen. Der Bekleidungsmarkt ist nicht nur gesättigt, sondern völlig übersättigt. Bis zu 10 % der angebotenen Mode – rund 230 Millionen Stück – bleiben im Einzelhandel trotz Preisreduzierungen und Umschichtungen in Outlet-Stores unverkauft. Manche Experten gehen sogar von doppelt so viel Überschuss aus. Damit der Markt nicht gefährdet oder die Marke verramscht wird, sind von Unternehmen wie H&M und Burberry Chargen auch schon verbrannt worden.

Kaufen ist wie eine Sucht und löst im Gehirn einen neurologischen Kick aus. Durch die Anhäufung all der Kleidung stellt sich jedoch bei immer mehr Konsumenten eine zunehmende mentale Erschöpfung ein. Der Wunsch nach Veränderung wächst spürbar.

Damit es Käufer*innen leichter fällt, zwischen konventionell und nachhaltig produzierter und gehandelter Mode unterscheiden zu können, gibt es verschiedene Siegel auf dem Etikett eines Kleidungsstücks, die unterschiedliche Standards kennzeichnen. Das Einkaufen erleichtern uns diese Siegel allerdings erst dann, wenn wir wissen, wofür sie stehen. Außerdem ist Siegel nicht gleich Siegel. Manchmal erstellen Firmen aus der Modebranche eigene Siegel bzw. Logos, die sie auf die Etiketten drucken. Damit können Käufer*innen schnell in die Irre geführt werden, da diese Labels gar nicht unbedingt für ökologische/nachhaltige Produktion stehen, sondern schlicht Greenwashing betreiben.