Textilveredelung

Textilveredelung bedeutet, dass man einen Ausgangsstoff durch verschieden Arbeitsprozesse mit weiteren Eigenschaften versieht, die er von sich aus nicht hat. So beeinflusst man z.B. Farbe, Glanz oder Haptik.

 

+ Bleichen +

Das Bleichen ist ein altes Handwerk und wurde bereits vor ca. 7.000 Jahren eingesetzt. Bleichmittel wirken oxidativ oder reduktiv und beseitigen so Restfärbungen von Naturfasern. Diese werden immer vor dem eigentlichen Färben gebleicht, weil hierdurch auch die Faserstruktur vorbereitet wird. Kunstfasern müssen in der Regel nicht gebleicht werden. In der Textilindustrie werden oft nicht die fertigen Stoffe gebleicht, sondern bereits die Garne auf Spulen oder Kettbäumen. Dies geschieht in großen, unter Druck stehenden und hoch temperierten Kesseln. Heutzutage werden meist Bleichmittel auf Sauerstoffbasis verwendet. Im industriellen Bereich findet sich jedoch noch immer die chlorbasierte Bleiche. Nach dem Bleichprozess werden die verbliebenen Chemikalien herausgewaschen, denn sonst könnten Reste womöglich das Gewebe schädigen.

 

+ Färben +

Das Färben stellt einen ganz zentralen Bearbeitungsprozess zur Gewinnung hochwertiger und optisch ansprechender textiler Materialien dar. Heute gibt es kaum Textilien, die nicht einer Färbung unterzogen worden sind. Im Zuge des technischen Fortschritts hat sich das Färben vom Handwerk zu einer industriellen Produktion entwickelt, die weitgehend von Maschinen übernommen wurde. Es werden unterschiedliche Färbeverfahren zur Gestaltung von Textilien angewandt, wie die Direkt-, die Entwicklungs-, die Reaktiv- oder Dispersionsfärbung. Die Wahl des Verfahrens erfolgt in Abhängigkeit von der Beschaffenheit der textilen Stoffe und den gewünschten Ergebnissen. Viele Farbstoffe, welche für die Farbgebung von textilen Stoffen benutzt werden können, haben toxische Eigenschaften, bzw. können diese Eigenschaft unter üblichen Nutzungsbedingungen entwickeln. Noch werden vorwiegend diese oft giftigen, künstlich gemischten chemischen Farbsubstanzen eingesetzt.

 

+ Bedrucken +

Das Bedrucken ist eine Technik mit der Textilien auf unterschiedliche Art gestaltet werden können. Ganze Stoffbahnen können vollflächig mit Mustern und speziellen Farbflächen veredelt oder fertige Waren mit einzelnen Motiven oder Schriftzügen bedruckt werden. Zur Auswahl steht eine breite Palette an Farben unter Anwendung sowohl klassischer, traditioneller als auch hochmoderner, digitaler und maschinell ausgeführter Drucktechniken. Beim Textildruck erfolgt die Wahl des Druckverfahrens in Abhängigkeit von den vorliegenden Fasern, der speziellen Gewebebeschaffenheit, dem Einsatzbereich und dem gewünschten Druckergebnis. Eines der bekanntesten und meist eingesetzten Verfahren ist der Siebdruck. Weitere textile Druckprozesse werden als Nylon-, Transfer-, Effekt-, Tief-, Flock-, Flex-, Thermosublimations- und Digitaldirektdruck bezeichnet.

 

+ Ausrüsten +

Die Ausrüstung von Textilien oder auch Fasern erfolgt, um dem fertigen Gewebe bestimmte Eigenschaften zu verleihen. Dabei kommen unterschiedliche mechanische oder chemische Verfahren zum Einsatz. Ziel ist es, den Griff, die Optik und das Gebrauchsverhalten zu beeinflussen. Zum Beispiel verhindert Sanforisieren das Einlaufen, Mercerisieren gibt Glanz, Desodorieren lässt den Stoff duften, das Sanfor-Set-Verfahren macht den Stoff knitterfrei, Prägen führt zu dreidimensionalen Mustern, Mattierung sorgt für stumpfe Optik, etc. Dazu kommen weitere chemische Ausrüstungen gegen Schmutz, Pilze und Bakterien, gegen UV-Strahlung, für Waschmaschinenfestigkeit, elektrostatische Aufladung oder Fusselbildung uvm. Dabei sind einige Ausrüstungsverfahren geradezu notwendig geworden, manche jedoch völlig überflüssig und verschwenderisch, obwohl hier die mitunter giftigsten Substanzen im Veredelungsprozess eingesetzt werden.

In den einzelnen Verarbeitungsschritten, vor allem beim Färben und Ausrüsten, kommen tausende verschiedene Chemikalien, Hilfsmittel und Farbstoffe zum Einsatz, deren toxikologische Auswirkungen zu berücksichtigen sind. Es kommt vor, dass bis zu ein Kilogramm Textilchemie auf ein Kilogramm Stoff kommt. Somit zählt die Textilveredelung zu den Branchen mit dem höchsten Abwasseranfall, welches durch schwer abbaubare Chemikalien hoch belastet ist. Nicht mal unsere Kläranlagen sind im Stande, diese Abwässer zu reinigen, weshalb eigene Filtersysteme benötigt werden. Jedoch ist in Deutschland gesetzlich geregelt, wie hoch die chemische Belastung sein darf und welche Mittel verboten sind. Viele internationale Firmen der Bekleidungsbranche haben ihre Produktionsstätten allerdings in Länder verlegt, in denen es dagegen vergleichsweise wenig Regulierungen beim Einsatz gefährlicher Chemikalien gibt. Die Auftraggeber*innen profitieren von den niedrigen Fertigungskosten und der unverantwortlichen Umweltgesetzgebung. Die Ökosysteme werden durch diese Chemikalien weltweit dauerhaft geschädigt. Durch das Abwasser gelangen sie in Flüsse und Meere und reichern sich so in Böden und Pflanzen, teilweise auch in Lebewesen, an. Besonders alarmierend ist die Situation in China, wo 320 Millionen Menschen keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser haben. Der große Einsatz chemischer Substanzen schädigt zusätzlich direkt die Gesundheit der Textilarbeiter*innen, da durch unsachgemäßen Einsatz der Chemikalien schwere Krankheiten hervorgerufen werden können. Viele Veredelungsverfahren könnten allerdings auch ohne gefährliche Chemie durchgeführt werden.

Ein Rest der Chemikalien ist sogar immer noch in der verkauften Kleidung vorhanden.
Der größte Teil wird zwar herausgewaschen, doch rund 10 % verbleiben im Gewebe. Allergiker*innen haben ein erhöhtes Risiko, durch solche Rückstände in Stoffen gereizt zu werden, aber auch Schweiß kann Schadstoffe aus der Kleidung lösen und sie auf die Haut übertragen. Deshalb ist es wichtig, neu gekaufte Kleidung zu waschen, bevor sie das erste Mal getragen wird. Ein Hinweis hierauf und auch auf enthaltene Farbstoffe und Veredelungschemikalien muss bis heute laut internationalem Textilkennzeichnungsgesetz nicht angebracht werden.