Slow Fashion

Der Begriff Slow Fashion fasst Mode mit folgenden Merkmalen zusammen:

+ nachhaltig produziert
+ hochwertig verarbeitet
+ biologisch hergestellt
+ faire Produktionsbedingungen
+ ökologisch abbaubare Materialien
+ Verzicht von Chemikalien
+ Vermeidung von Müll
+ geringe Mengen

Als Antwort auf die Fast Fashion Industrie hat sich eine Gegenbewegung entwickelt: Slow Fashion. Wie der Name schon vermuten lässt, steht sie im Gegensatz zur Kurzlebigkeit der Fast Fashion Mode für Langlebigkeit. Sie beschreibt den Wandel zu mehr Verantwortung und Respekt für Mensch und Umwelt, steht für ein verändertes Bewusstsein gegenüber den Kleidungsstücken, ihrem Ursprung sowie dem Konsumverhalten von uns Konsument*innen und fördert die Entwicklung und Erforschung von nachhaltigen Materialien und zukunftsfähigen ressourcenschonenden Technologien.

Aber nicht nur das, es bezeichnet auch eine Bewegung der Wertschätzung. Denn es reicht nicht aus, nachhaltige Mode aus natürlichem Material zu kaufen. Es muss grundsätzlich weniger gekauft werden. Teil der Bewegung wird man ganz einfach, indem man bewusste Kaufentscheidungen trifft und Kleidungsstücke nur dann kauft, wenn es notwendig ist und diese auch trägt und pflegt. Allein die Verlängerung der Lebensdauer unserer Kleidung um ein Jahr würde die CO2-Emissionen um jeweils 24 Prozent reduzieren. Das Wichtigste ist somit, die Sachen so lange wie möglich zu tragen, bzw. im Kreislauf zu halten. Dies ist mit Abstand das Ressourcensparendste und Umweltschonendste.

Dennoch muss grundsätzlich die Art und Weise, wie Kleidung hergestellt, genutzt und entsorgt wird, überdacht werden, denn das, was wir haben, reicht nicht für alle und nicht für immer. Eine wirklich nachhaltige Modebranche sollte den Kreislauf schließen und das Tempo reduzieren. Der Weg dorthin fordert qualitativ hochwertig produzierte Kleidung, die lange hält, gut zu reparieren und am Ende vollständig kreislauffähig ist. Hier sind nun die Modeunternehmen gefragt, entsprechende Verfahren in der Herstellung und im Recycling zu entwickeln, sowie Systeme im Handel zu fördern.

Es ist Bewegung in der Textilbranche. Viele Mode-Startups widmen sich dem nachhaltigen Weg und einige alteingesessene versuchen sich zu ändern. Insgesamt ist der Bereich in den letzten Jahren enorm gewachsen. Der Marktanteil von Biomode liegt mittlerweile bei fast 4 %. Auch Zusammenschlüsse mit dem gemeinsamen Ziel, Verbesserungen entlang der gesamten textilen Lieferkette zu erreichen, nehmen permanent zu. Großen Erfolg erzielte hierbei die im Jahr 2011 gegründete Greenpeace Detox-Kampagne, die 15 % der weltweiten Modekonzerne dazu brachte, sich bereit zu erklären, bis ins Jahr 2020 alle giftigen Schadstoffe durch ungefährliche Stoffe zu ersetzen. Geschafft ist es noch nicht, aber der Stein ist ins Rollen gebracht worden. Auch die Politik hat mit Gesetzen, Regulierungen und Verboten nachgezogen.

Neue Geschäftsmodelle für ein verändertes Konsumverhalten von Verbrauchern gibt es nun auch schon, ob Shops mit reinem Biosortiment, Labels mit Upcycling-Konzepten, Mietservices für Kleidung, Tauschpartys oder textile Repaircafes. Auch die Second-Hand-Branche erfährt ein Revival, es entstehen immer mehr neue hippe Stores und tolle Events hierfür. Wenn diese Modelle nun auch politisch unterstützt würden, beispielsweise durch andere Steuersätze, könnte diese Entwicklung schneller vorangehen.

Auch durch renommierte Modeschulen wie die Parson’s University oder das London College of Fashion wird das neue Fashion-Mindset gefördert. Inzwischen werden immer mehr Kurse zu Nachhaltigkeit angeboten und sogar völlig neue Studiengänge entstehen hierfür. Eine wichtige Entwicklung, wenn man die Schlüsselrolle der Designer*innen wahrnimmt. Ca. 80% der Umwelteinflüsse eines Produktes werden im Designprozess entschieden, von Material über Verarbeitung, Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit.

Faire und nachhaltige Mode ist meist teurer als konventionelle. Wenn aber das eigentliche Problem verstanden wurde und weniger Neuware gekauft wird, macht es keinen finanziellen Unterschied. Auch der Spaß an Kleidung soll nicht vergehen, denn es gibt so viele alternative Konsummodelle, die es einem ermöglichen, sich immer wieder zu wandeln, ohne auf Neuproduziertes zurückgreifen zu müssen. Ob man einfach Vorhandenes neu kombiniert, verändert, tauscht oder verleiht. Das Schönste daran ist, dass es einen von der Bevormundung der Modebranche befreit. Die Auswahl ist plötzlich größer und bunter, man kann immer das finden, was einem wirklich gefällt und nicht nur Sachen, die gerade im Trend sind.