Konfektion und Design

Wenn der Stoff so bearbeitet wurde, dass er alle gewünschten Eigenschaften hat, ist er bereit für die Konfektion. Dies bezeichnet die serienmäßige Herstellung von Kleidungsstücken. Sie ist die letzte Stufe der textilen Produktionskette, in der aus textilen Flächen verkaufsfertige Produkte entstehen – auch dies geschieht heute hoch technisiert und automatisiert.
In der Konfektionierung werden die Textilien zusammengesetzt und fertig gestellt. Die textilen Flächen werden zugeschnitten oder gestanzt, durch das Nähen, Kleben und Schweißen zusammengefügt sowie abschließend geformt und nachbehandelt. Die moderne industrielle Produktion ist so organisiert, dass sie in die Bereiche Zuschnitt, Zusammenstellen der Teile und des Zubehörs, Nähen und Qualitätskontrolle unterteilt ist. Die Schnittteile werden heutzutage meist an voll elektronisch gesteuerten Anlagen zugeschnitten, bzw.gestanzt. Genäht wird zu Hunderten in großen Hallen mit Spezialnähmaschinen für jedes Einzelteil, eingestellt auf nur einen Arbeitsschritt – beispielsweise für Bein, Bund, Taschen, Saum, usw. Automaten für Knopflöcher oder das Annähen von Knöpfen arbeiten völlig selbständig. Die Arbeiter sind in nur einem Bereich, an nur einer Maschine mit jeweils einem Arbeitsschritt beschäftigt, hier werden fast ausschließlich angelernte Hilfskräfte eingesetzt. Wenn überhaupt, werden gelernte Kräfte wie Schneider und Techniker noch für die Herstellung von Modellen und Schnitten oder Koordinations- und Kontrollaufgaben eingesetzt.

Große Modeunternehmen lagern diesen Arbeitsschritt gerne in sogenannte Sweatshops aus, um die Lohnstückkosten zu senken. Die Beschäftigten in solchen Fabriken sind meist Frauen. Sie …

… haben kaum Rechte
… erhalten keine Tarifverträge
… haben extrem lange Arbeitszeiten
… haben keinen Kündigungsschutz
… erhalten wenig Lohn
… erfahren oft als Strafe Gewalt
… haben keine Pensionsansprüche
… arbeiten in unklimatisierten Hallen
… erhalten selten Schutzausrüstung
… uvm.

Das größte Problem im Bereich der Konfektion spielt sich auf sozialer Ebene ab. Große Modeunternehmen lagern diesen Arbeitsschritt gerne in sogenannte Sweatshops aus, um die Lohnstückkosten zu senken. In solchen Fabriken herrschen oftmals gesundheitsschädigende und unwürdige Arbeitsbedingungen. Die Beschäftigten, meist Frauen, haben kaum Rechte, erhalten keine Tarifverträge, haben extrem lange Arbeitszeiten, keinen Kündigungsschutz, erhalten wenig Lohn und Gewalt ist oft Normalität als Strafe für schlechtes oder langsames Arbeiten.

Für die Umweltwirkungen ist die Konfektion weniger relevant. Zwar tragen auch hier Textilhilfsmittel dazu bei, Prozesse zu beschleunigen, jedoch werden eher ungiftige verwendet und dies in sehr geringem Maße. Allerdings fallen im Zuschnitt textile Reste an und aufgrund von Verarbeitungsproblemen können Fehlchargen entstehen, die selten recycelt und dementsprechend oft zu Müll werden. Da zu diesem Zeitpunkt bereits vergleichsweise viele Ressourcen in die Produkte eingegangen sind, ist dies aus Umweltsicht problematisch. Das Abfallproblem tritt auch dann auf, wenn aufgrund logistischer Übermengen ganze Chargen nicht abgesetzt werden können.

Der Designprozess steht am Anfang eines jeden Textilproduktes und findet dementsprechend natürlich vor der Konfektion statt. Designer sind neben den Technikern auch für die Gestaltung von Stoffen und deren Veredelung verantwortlich und somit in der „Textilen Kette“ schwer an einer Position zu verankern. Das, was gerade in Mode ist, ändert sich nahezu ständig. Die unterschiedlichsten Schnitte, Farben und Muster lösen sich gegenseitig ab und neue Trends entstehen. Die Inspiration für die Massenware liefern meist bekannte Modeschöpfer*innen, die bei internationalen Modeschauen in Mailand, Paris und Berlin ihre neuesten Kollektionen der Öffentlichkeit präsentieren und in kürzester Zeit von der Fast Fashion Industrie kopiert werden. Umsomehr tragen Designer Verantwortung, ob als Inhaber ihrer eigenen kleinen Brand oder als Angestellte multinationaler Unternehmen.

Wirklich ökologische Produktgestaltung ist bei Textilien nur in dem Unternehmen möglich, das seine Zulieferer und deren Verfahren kennt und ggf. Einfluss nehmen bzw. Unterstützung bieten kann. Designer sollten wissen, woher die Vorprodukte stammen, wie also die Lieferketten aufgebaut sind. Wenn dies nicht der Fall ist, können sie eventuell mit ihrer persönlichen Forderung danach auch ein Umdenken in der Firma erzeugen. Ein guter Designer setzt sich mit den verwendeten Rohstoffen und deren Herstellung auseinander. Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen sind bestimmt erstrebenswert, aber nicht gleichbedeutend mit Umweltfreundlichkeit. Auch hier können giftige Stoffe, schädliche Verfahren oder zerstörerischer Anbau die Grundlage sein. Umgekehrt sind Chemiefasern nicht zwingend umwelt­schädlich. Ein Schwarz-Weiß-Denken in diesem Prozess sollte unbedingt vermieden werden. Das A und O sollte grundsätzlich sein hochwertige Kleidung zu produzieren, die langlebig und reparierbar ist. Weniger ist mehr, dafür in guter Qualität, ein Leitsatz für die Zukunft.

Denn mit gutem Design kann Abfall vermieden werden, da etwa 25 % der Stoffe aus der Bekleidungsproduktion allein beim Zuschnitt zu ungenutztem Restmaterial werden. Alles, was weggeworfen wird, musste zuvor hergestellt, bearbeitet, gefärbt und transportiert werden.
Es gibt verschieden Design Ansätze hierfür:

#ZeroWaste: ist eine eine Gestaltungstechnik, bei der schon im Entwurf, bzw. in der Schnittkonstruktion der Verschnitt beim Zuschnitt minimiert oder sogar auf Null gebracht wird.

#Upcycling: bezeichnet ein Recycling Prinzip, dessen Ausgangsmaterial Zuschnittreste oder aussortierte Kleidung ist, das durch Zerlegung, Zusammensetzung oder Ergänzung zu neuen Produkten verarbeitet wird.

#CradleToCradle: beschreibt den Ansatz für eine durchgängige Kreislaufwirtschaft, bei der die Produkte entweder vollständig kompostierbar sein müssen oder kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden können.