Hanf

Allgemeine Eigenschaften von Hanf

+ sehr robust und langlebig
+ extrem reißfest und strapazierfähig
+ gute Feuchtigkeitsaufnahme
+ trocknet schnell
+ temperaturausgleichend, kühlendes Tragegefühl
+ vermindert die Entstehung von Gerüchen
+ lädt sich nicht elektrostatisch auf
+ kaum dehnfähig und elastisch
+ zu 100 % biologisch abbaubar

Hanf wurde lange Zeit und häufig für die Bekleidungsherstellung verwendet, bis er nach dem Zweiten Weltkrieg verboten wurde und so von der Baumwolle als nun günstigere Alternative verdrängt wurde. Derzeit wird er wieder neu entdeckt; dennoch beläuft sich der Anteil der Hanffaser an der weltweiten Faserproduktion auf nur knapp 0,5 %. Hanf kann im europäischen Klima angebaut werden und ist eine vergleichsweise wenig anspruchsvolle, robuste, langlebige und nachhaltige Faser. Zudem ist er einer der schnellst nachwachsenden Rohstoffe. Mit einer Wachstumsgeschwindigkeit von rund 30 cm pro Woche gewinnen seine Blätter schon nach kurzer Zeit jedes Konkurrieren um den Platz an der Sonne. Der starke Geruch der Pflanzen hält auch tierische Parasiten fern, sodass im Anbau keinerlei Pestizide und Herbizide eingesetzt werden müssen. Außerdem ist der Wasserbedarf von Hanf erheblich geringer als der von Baumwolle. Er benötigt im Durchschnitt etwa 2000 Liter pro kg.

Hanf als Nutzpflanze wird heute meist von Kleinbauern auf kleinen Ackerflächen und in Fruchtfolge angebaut. Durch den chemiefreien Anbau und seine „überragenden“ Anti-Unkraut-Eigenschaften hinterlässt Hanf für nachfolgende Pflanzen einen optimal präparierten Acker: die feinen Äderchen des Wurzelwerks durchziehen und lockern den gesamten Boden. Ein Weizen- oder Kartoffelfeld, auf dem im Jahr zuvor Hanf stand, bringt etwa 10 % mehr Ertrag. Nicht nur aus diesem Grund ist er die ideale Zwischenfrucht, sondern auch, weil er durch Schwermetall vergiftete Böden reinigt, wie wissenschaftliche Versuche gezeigt haben. Die aus dem Boden aufgenommenen Schadstoffe lagern sich dabei nur in den Blättern ab; die Blätter werden entsorgt. Stängel und Fasern bleiben schadstofffrei und können weiterverarbeitet werden. Die Ernte ist bereits nach 100 -120 Tagen möglich. Auch die Problematik der Verwendung von Mineralöldüngern ist eher untergeordnet: Bio-Hanf wird nur natürlich gedüngt, und im Falle des konventionellen Hanfs werden nur kleine Mengen an Düngemitteln benötigt.

Leider ist die Zertifizierung von Bio-Hanf noch nicht sehr weit verbreitet und nur unzureichend reglementiert. Zum einen liegt das daran, dass zumeist Kleinbauern den Hanf anbauen, zum anderen ist seine Relevanz für den weltweiten Fasermarkt gering. Zur Fasergewinnung werden die Hanfpflanzen geerntet, geröstet und getrocknet. Das Ergebnis sind reine Bastfasern, die in Bündeln in der Spinnerei weiterverarbeitet werden. Der Nachteil der Hanffaser ist, dass sie sich, wenn sie in Reinform in der Kleidung vorkommt, etwas kratzig auf der Haut anfühlt. Dem wird durch Mischungen mit Leinen, Baumwolle und anderen Fasern entgegengewirkt. Außerdem werden durch neue Spinn- und Webverfahren laufend Verbesserungen in der Tragequalität erzielt. In der Gesamtbetrachtung ist der Hanf eine der ökologischsten Naturfasern.