Gebrauch und Pflege

Kleidung ist heute Massenware und zugleich ein Wegwerfprodukt.
Viel und billig shoppen, kurz oder nie tragen, schnell entsorgen – so gehen die meisten Deutschen aktuell mit Mode um. Jedes fünfte Kleidungsstück wird so gut wie nie getragen und wenn, dann nur noch halb so lang wie vor 20 Jahren. Im Schnitt werden die Kleidungsstücke gerade vier Mal angezogen. Oft werden binnen eines Jahres Schuhe, Shirts und Hosen aussortiert und spätestens nach drei Jahren mehr als die Hälfte der Kleidung. Repariert wird heutzutage kaum noch etwas.

Gesamtbestand: 5,214 Milliarden Kleidungsstücke Bevölkerung 18–69 Jährige: 54,71 Millionen Durchschnittlicher Bestand pro Person: 95,3 Kleidungsstücke Anteil der Kleidung, der _____ getragen wird. (fast) nie: 975 Mio selten: 1,065 Mrd hin und wieder: 1,281 Mrd regelmäßig: 1,893 Mrd

Kleidung wird heute nicht mehr aus einem Bedarf heraus gekauft, sie wird schlicht konsumiert. Trotz des Bewusstseins des Überflusses wird weiterhin geshoppt. Laut Umfragen geben etwa 70 % an, dass ihre Kleiderschränke überfüllt sind und über 50 %, dass sie zu viele Schuhe, Taschen und Accessoires besitzen. Aber warum wird immer weiter gekauft? Als Begründung dafür werden Langeweile, Selbstaufmunterung, Hobby, Stressabbau oder Rabattaktionen genannt. Großen Einfluss auf das Kosumverhalten haben soziale Medien. Der ständige Vergleich mit anderen und die permanente Selbstdarstellung animieren dazu, sich andauernd zu verändern und Neues zu zeigen. Es wird nicht nur zu viel Bekleidung konsumiert, sie wird auch noch viel zu viel gewaschen.

Kaum einer weiß heute, wie man Kleidung richtig und nachhaltig pflegt, sodass sie lange getragen werden kann. Es ist auch nicht mehr nötig, denn meist wird die Jeans ja schon vor ihrem ersten Loch wieder aussortiert. 330 Milliarden Liter Wasser und Milliarden Kilowattstunden Strom werden jährlich in Deutschland fürs Wäsche waschen benötigt. Schätzungen zufolge trägt somit die Waschmaschine durchschnittlich zu rund 8 % des Stromverbrauchs im Haushalt bei. Die Verbraucher würden bis zu 40 % Strom sparen, wenn sie ihre Wäsche bei 30 Grad statt 40 Grad waschen würden. Ein Kochwaschgang frisst siebenmal mehr Strom als 30-Grad-Wäsche und das Doppelte eines 60-Grad-Waschgangs.

Fast jeder Haushalt hat heute eine Waschmaschine. Beworben wurde die Waschmaschine früher damit, dass sie die körperliche Arbeit und den Zeitaufwand erheblich verringert. Das würde stimmen, wenn wir unsere Wäsche genauso oft wie damals waschen würden. Heute wird eher mehr Energie, Wasser und Zeit verbraucht, da die Meisten ihre Kleidung nach ein- bis zweimal Tragen in die Wäsche geben. Dazu wird unnötig viel Waschmittel verwendet und völlig überflüssige Weichspüler und Duftzugaben. Dieser übertriebene Hygienewahnsinn richtet mehr Schaden an Umwelt und Gesundheit an, als dass er Gutes tut, von hohem Strom- und Wasserverbrauch über Mikroplastik in der Umwelt bis zu Überempfindlichkeiten und Allergien. Die Ökobilanz eines Kleidungsstücks wird zu 60–70 % durch die Pflege und Behandlung beeinflusst.

Ein Kleidungsstück muss erst dann in die Wäsche, wenn es wirklich schmutzig ist, bzw. stinkt. Sind keine offensichtliche Flecken zu sehen, bzw. riecht es nur leicht, reicht es, es zu lüften. In einer wissenschaftlichen Untersuchung wurde sogar festgestellt, dass eine Jeans beispielsweise so gut wie nie gewaschen werden muss. Nach 15 Monaten Tragen wurden auf der Jeans die gleiche Menge harmloser Bakterien gefunden wie auf einer nur zwei Wochen getragenen Jeans.

Jeder Waschgang ist eine Belastung für die Kleidung. Teile der Fasern brechen ab, die Stoffe werden dünner, verlieren ihre innere Struktur, leiern aus und werden löchrig. Bei der ersten Wäsche wird die größte Menge an Fasern herausgewaschen, mit jeder weiteren wird die Faserstruktur durch mechanische und chemische Einwirkungen immer mehr beschädigt. Auch die Waschtemperatur spielt eine wichtige Rolle. Je höher die Temperatur, desto höher ist auch die Zerstörung des Materials. Das Ausmaß ist abhängig von Gewebetyp, Textur, Garnart und Anzahl der verschiedenen Fasertypen. Abhängig von der Textilart werden schätzungsweise bis zu 3.000 Fasern pro Waschgang freigesetzt. Bei chemischen Stoffen und Mischgeweben mit Kunstfaseranteilen wie Elasthan, Acryl usw. spricht man bei den herausgelösten synthetischen Faserteilen unter fünf Millimetern von Mikroplastik. Über das Abwasser gelangt dieses bis ins Meer. Gefunden wurde Mikroplastik schon an den entlegensten Stellen der Welt, wie auch in tierischen und menschlichen Organismen. Etwa 35 % des Gesamtanteils an Mikroplastik weltweit stammt aus Textilien.

Wie pflegt und wäscht man seine Kleidung nun richtig?

1. mehr lüften statt waschen.
2. einzelne Flecken mit Bürste, Gallseife und lauwarmen Wasser auswaschen.
3. Flecken gezielt vorbehandeln statt den Vorwaschgang verwenden.
4. niedrige Temperatur wählen, oft reicht 30 ° C. 90 ° C ganz vermeiden.
5. auf eine voll beladene Maschine achten.
6. zum Stromsparen Energiesparprogramme statt Kurzprogramme nutzen.
7. das richtige Waschpulver wählen, lieber Pulver als Flüssigwaschmittel.
8. Weichspüler ist schädlich, stattdessen einen Schuss Essig für weiche Wäsche verwenden.
9. Duftzugaben sind überflüssig, besser ist es Lavendel in den Schrank zu hängen.
10. Waschsäcke verwenden, um die Kleidung zu schonen und Mikroplastik abzufangen.
11. nicht in den Trockner, sondern einfach auf die Leine.
12. die Waschmaschine pflegen und regelmäßig reinigen.