Fast Fashion

Fast Fashion ist der Begriff für Kleidung, die so billig hergestellt und verkauft wird, dass der Kunde häufiger neue Kleidung kaufen kann.

+ Es werden aktuell geschätzte 150.000.000.000 Kleidungsstücke im Jahr hergestellt.
+ Zwischen 2000 und 2020 hat sich die weltweite Bekleidungsproduktion verdreifacht.
+ Die Textilbranche macht im Jahr etwa drei Billionen Dollar Umsatz.
+ Zara bringt pro Jahr etwa 12.000 neue Designs und 24 Kollektionen heraus.
+ Jeder deutsche Bundesbürger*in kauft im Schnitt ca. 60 Kleidungsstücke pro Jahr.
+ Weltweit arbeiten ca. 60 Millionen Textilarbeiter*innen unter unwürdigen Bedingungen.
+ Um acht Cent die Stunde zu verdienen, müssen ca. 250 T-Shirts genäht werden.
+ Für unsere Kleidung werden im Jahr 98 Millionen Tonnen Erdöl verwendet.
+ Die Textilindustrie verursacht jährlich etwa 5 % der globalen CO2 Emission.
+ 79 Billionen Liter Wasser verbraucht die Textilindustrie im Jahr.
+ Täglich werden etwa eine Milliarde Liter giftige Abwässer in Gewässer geleitet.
+ Für die Herstellungs- und Veredelungsprozesse werden im Jahr 43 Millionen Tonnen Chemikalien eingesetzt.
+ Der Anbau von Textilrohstoffen verbraucht 85 Millionen Hektar Boden.
+ Etwa 30 % des Mikroplastiks im Meer stammt aus synthetischen Textilien.
+ Insgesamt verursacht die Fast Fashion 98 Millionen Tonnen Müll im Jahr.

Bis vor nicht allzu langer Zeit dauerte es noch Monate, bis ein Produkt in den Handel kam. Heute sind es zwischen 12 und 15 Tagen. Ende der 70er-Jahre war klar, dass der Textilmarkt gesättigt ist, es mussten Ideen zu seiner Belebung her. So wurde der „Trend“ erfunden und die sogenannte Quick Response Strategie entwickelt: der beschleunigte Austausch von Information wie Abverkaufsdaten und die schnelle Reaktion mit neuer Ware auf diese. Was gestern auf den Laufstegen renommierter Designer zu sehen war, ist in den nächsten Wochen bei Textil-Discountern im Laden. Die stetige Veränderung des Sortiments und eine verkürzte Haltbarkeitsdauer der Materialien sollen die Kunden dazu bewegen, die Läden immer wieder aufzusuchen. Hersteller wie H&M, Zara, Kik und Primark wurden zum Synonym für Fast Fashion. Zwölf Kollektionen pro Jahr waren plötzlich keine Seltenheit mehr.

Der schnelle Wechsel ist also nur wegen einer Beschleunigung der Produktion möglich. Diese wurde globalisiert, die einzelnen Prozesse werden da gemacht, wo sie am billigsten sind. Fast die gesamte Produktionskette wurde in Niedriglohnländer ausgelagert, hauptsächlich nach Asien. Wenn die Löhne steigen, zieht die Textilindustrie weiter, aktuell nach Afrika. Die Modeketten konkurrieren, besonders wenn es um den Preis der zu verkaufenden Produkte geht. Um die Kosten so niedrig wie möglich – und den Gewinn für das Unternehmen so groß wie möglich – zu halten, vergeben die Firmen den Auftrag zur Herstellung der Kollektion an die Fabrik, die das niedrigste Angebot macht. Die Fabriken müssen sich dem beugen um weiter bestehen zu können. Dadurch wird an allen möglichen Ecken gespart und leider auch dort, wo es eigentlich nicht sein dürfte, z.B. wenn es um die Sicherheit von Arbeiter*innen geht.

Weltweit arbeiten etwa 60 Millionen Textilarbeiter*innen unter menschenunwürdigen und gesundheitsschädlichen Bedingungen. Geringer Mindestlohn, keine Gewerkschaftsrechte, keine Festanstellung, kein Mutterschaftsgeld, keine Pensionsansprüche, alles Standard. Auf engstem Raum arbeiten hunderte Arbeiter*innen in ungesicherten, unklimatisierten, dunklen Hallen unter enormem Zeitdruck. Ohne Pausen werden 14h-Schichten hintereinander durchgearbeitet und das für weniger als 2,70 € am Tag. Der Lohn, den sie erhalten, reicht kaum zum Überleben. Immer wieder kommen Arbeiter*innen in den Fabriken bei Hallenbränden, anderen Katastrophen oder schlicht wegen Überarbeitung ums Leben.

Auch auf die Umwelt hat die Fast Fashion enorme negative Auswirkungen, die weit über den reinen Transport der Ware hinausgehen. Insgesamt verursacht die Herstellung von Kleidung jährlich über 1,2 Billionen Tonnen CO2, weit mehr als die Seeschifffahrt und die weltweite Luftfahrt zusammen. Die mit Abstand umweltschädlichsten Prozesse in der Bekleidungsindustrie sind der An- bzw. Abbau der Rohstoffe und die Textilveredelung. Um die steigende Nachfrage nach billigen Textilien zu bedienen, werden enorme Mengen an Rohstoffen verbraucht, hauptsächlich Erdöl und Baumwolle.

Bei der Weiterverarbeitung der Rohstoffe, wie beispielsweise beim Färben, werden tausende giftige Chemikalien eingesetzt, die dann ungefiltert im Abwasser landen. Diese Stoffe vergiften Böden, führen zu Insektensterben und können die Gesundheit von Menschen in der Region schädigen. Allein bei der Lederherstellung in Indien werden jeden Tag 50 Millionen Liter Industrieabwässer in den Ganges geleitet. Der heilige Fluss ist vergiftet – dennoch wird sein Wasser weiter zur Trinkwasserproduktion und zur Bewässerung der Äcker genutzt.

Die Gründe, warum Unternehmen auf schnelle Mode setzen, sind denkbar einfach: Umsatzsteigerung, Kundenbindung und Expansion. Das ganze Konzept ist auf extreme Gewinnmaximierung ausgelegt. Der Endverbraucher*in kauft aufgrund der immer neuen Auswahl und immer billigeren Preise mehr, als er braucht. Die Mode wird zu einer mehrmals jährlich austauschbaren Ware. Somit ist – neben den sozialen und ökologischen Problemen – das größte Problem in der Fast Fashion-Industrie die absolute Überproduktion.

Die Folge dieser extremen Ressourcenverschwendung: Die textilen Müllberge wachsen ins Unermessliche, die Umweltbelastung durch Altkleider steigt stetig. Ausrangierte Ware, die oft auch von Hilfsorganisationen nicht mehr angenommen werden kann, wird einfach verbrannt. Denn Mode ist heute tatsächlich oft so billig, dass es sich nicht lohnt, die Textilien einzulagern, zu verramschen oder aufzuarbeiten.

Deswegen unser Fazit: 10% sollten genug sein.