Fasererzeugung

Unsere Kleidung besteht aus Stoffen und diese aus Fasern. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Natur- und Chemiefasern, die auf unterschiedliche Art und Weise, durch Rohstoffan- oder abbau und verschiedene Herstellungsverfahren produziert werden müssen. Durch den wachsenden Wohlstand der Industrieländer und die wachsende Weltbevölkerung ist der Bedarf an Textilien – und somit an textilen Faserstoffen – stark gestiegen. Gleichzeitig muss die Bevölkerung aber auch ernährt werden, sodass es bei der Nutzung der zur Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Flächen zu Interessenkonflikten kommt. Anbau- und Weideflächen für Naturfasern sind daher begrenzt, weshalb vermehrt auf Chemiefasern ausgewichen wird.

Diese sind mit einem Anteil von 70 % die meistverwendeten Textilfasern. Sie werden mit Hilfe komplizierter chemischer Verfahren aus Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas oder Holz künstlich hergestellt, weswegen man sie auch Kunstfasern nennt. In einem sehr energieintensiven Prozess werden sie am Ende zu Endlosgarnen. Bei der Erzeugung einer synthetischen Faser wird etwa doppelt so viel Energie verbraucht wie bei der Herstellung von Baumwollfasern. Außerdem belasten sie die Umwelt durch Mikroplastik, das sich bei jedem Waschgang ablöst und so in den Wasserkreislauf und am Ende ins Meer gelangt. Aus Erdöl produzierte Fasern werden als synthetische Fasern bezeichnet. Rund 5–8 % des weltweit geförderten Erdöls fließt in die textile Produktion.

Jedoch wird seit einigen Jahren an biologisch gewonnenen synthetischen Fasern gearbeitet, die aus Biopolymeren, gewonnen aus Weizen, Milch, Mais oder Kartoffeln, hergestellt werden. Für die Erzeugung werden oftmals landwirtschaftliche Abfallprodukte genutzt. Somit stehen Biopolymere nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Zu den besonders nachhaltigen Biopolymeren, die sowohl biologisch hergestellt werden als auch biologisch abbaubar sind, zählen aus Maisstärke gewonnene Polylactide. Die Entwicklung ist jedoch noch nicht soweit, Biopolymere im textilen Bereich einzusetzen.

Cellulosefasern gehören zwar zu den Kunstfasern, aber zu denen, die aus erneuerbaren Rohstoffen mit hohem Celluloseanteil entstehen, hauptsächlich aus Holz. Die bekannteste Faser ist hier die Viskose. Mittlerweile stammt jede zweite Faser, die weltweit verarbeitet wird, aus der Chemiefabrik und wird im Herstellungsprozess gespritzt. Das klingt nicht nach Natur und schon gar nicht so, wie wir uns Kleidung auf unserer Haut vorstellen, aber es muss auch nicht grundsätzlich schlecht sein. Vor allem bei Sport- und Outdoorbekleidung, die atmungsaktiv und reißfest sein soll, sind heute synthetische Stoffe gar nicht mehr wegzudenken.

Der Anteil von Naturfasern liegt bei etwa 30 %. Die Fasern werden direkt aus einer Pflanze oder dem Fell von Tieren gewonnen und verbrauchen dementsprechend Böden. Die wichtigsten Naturfasern sind Baumwolle und Wolle, meistens von Schafen. Da im konventionellen Anbau oft in Monokulturen mit Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln gearbeitet wird und bei der Tierhaltung viel Quälerei im Spiel ist, sind Naturfasern nicht unbedingt die bessere Wahl, bzw. sollte hier unbedingt auf eine Zertifizierung geachtet werden. Nach der Ernte bzw. Schur der Faserrohstoffe werden sie im Herstellungsprozess gesponnen.

Wenn man die Umweltauswirkungen der verschiedenen Textilfasern vergleicht, sind besonders der Flächenverbrauch, der Wasserverbrauch, der Pestizid- und Herbizideinsatz sowie der CO2-Ausstoß wichtig. Die Massenproduktion nimmt meist günstige, unfair gehandelte und umweltschädliche Rohstoffe ab. Kaum Beachtung finden Rohstoffe, die als nachhaltige Alternativen erachtet werden, wie Hanf, Leinen, usw.

T E X T I L F A S E R N

CHEMIEFASERN / NATURFASERN

CHEMIEFASERN: Synthetische Fasern / Cellulosefasern
NATURFASERN: Pflanzliche Fasern / Tierische Fasern

SYNTHETISCHE FASERN: Polyester, Polyacryl, Elastan
CELLULOSEFASER: Viskose, Lyocell, Modal

PFLANZLICHE FASERN: Baumwolle, Leinen, Hanf
TIERISCHE FASERN: Wolle, Seide, Haare

Es gibt noch einiges mehr an Textilfasern; in dieser Gliederung sind nur die wichtigsten aufgelistet. Eine Auswahl davon betrachten wir noch näher.