Entsorgung und Recycling

Im Durchschnitt werden hierzulande 16 Kleidungsstücke im Jahr aussortiert und in den Altkleidercontainer gegeben. Insgesamt entspricht das mehr als einer Million Tonnen Altkleider pro Jahr. Dies ist somit nur die erfassbare Zahl, denn geschätzt werden ca. 30 % der Kleidung direkt über den Restmüll entsorgt und somit verbrannt. Deutschland ist gleichzeitig unter den Top 10 der Textilverschwender und der Textilrecycler weltweit.

Die Altkleidersammlung wird hierzulande größtenteils von gemeinnützigen Organisationen bewerkstelligt, aber auch von gewerblichen Anbietern, die Container aufstellen, Haussammlungen machen oder auch direkt Secondhand-Läden betreiben. Dass diese Sachen kostenfrei an Bedürftige weitergeben werden, ist ein Mythos, denn mit dem Sammeln von Altkleidern lässt sich Geld verdienen. Falls man die Sachen wirklich an Bedürftige spenden möchte, muss man gezielt Kleiderkammern oder Hilfsprojekte aufsuchen. Ansonsten kommt die gesammelte Kleidung in Sortierbetriebe und wird dort nach Qualitäten eingestuft.

Nur ein kleiner Teil ist in einem so guten Zustand, dass sie in Secondhand-Läden in Deutschland oder Westeuropa verkauft werden können. Jedoch machen diese Sachen den größten Teil des Umsatzes der Verwerter aus. Die mindere Qualität wird tonnenweise hauptsächlich in den globalen Süden exportiert. Der Großteil des Textilbedarfes in diesen Ländern wird über Altkleiderlieferungen gedeckt und zerstört dadurch auch die landeseigenen Textilmärkte.

Mehr als die Hälfte der Kleidungsstücke ist allerdings zum weiteren Tragen unbrauchbar und geht an Recyclingfirmen. Aber nur ein Teil davon wird wirklich recycelt und zu neuen Stoffen verarbeitet. Aus dem Großteil werden Putzlappen oder Dämmstoffe hergestellt. Man nennt das Downcycling. Der Rest, der auch dafür nicht genutzt werden kann, dient als Ersatzbrennstoff für Kohle oder geht in die Müllverbrennung. Da die Qualität der Ware in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen hat, wächst die Menge des nicht verwertbaren Anteils enorm und entwickelt sich dadurch zu einem negativ Geschäft. D.h. dass die Verwerter zukünftig Geld draufzahlen werden, statt welches zu verdienen, was wiederum das komplette Modell der Altkleidersammlung in Frage stellt. Weltweit gesehen wird fast ein Viertel aller textilen Abfälle CO²-intensiv verbrannt und mehr als die Hälfte des Kleidermülls landet schlussendlich auf den besonders umweltschädlichen Deponien.

Das durchschnittliche Sortierergebnis der Altkleidersammlung:

ca. 3 % hohe Qualität
ca. 38 % mindere Qualität
ca. 13 % Schuhe, Taschen, Accessoires, etc.
ca. 19 % Putzlappen, Dämmstoffe, etc.
ca. 17 % Textilrecycling
ca. 10 % Textilmüll

Textilrecycling im großen Stil ist bisher unmöglich. Das größte Problem dabei ist, dass Kleidung meistens aus Mischgewebe besteht, also selten allein aus Baumwolle, Viskose oder Seide gemacht wurde und somit nicht sortenrein ist. Solch einmal miteinander verwobene Fasern mit einem zufriedenstellenden Ergebnis wieder zu zerlegen, ist bis jetzt noch nicht gelungen.

Nichtsdestotrotz werden unterschiedliche Recyclingprozesse heute schon angewandt und die Fasern von verschiedenen Firmen eingesetzt. Von den einen aus Überzeugung und zum Zwecke der Weiterentwicklung dieser Verfahren, von den anderen eher zum Greenwashing und zur Imagepolitur. Die aktuellen Verfahren sind teuer, aufwendig und benötigen zudem viel Energie, was ökologisch zu hinterfragen ist. Dazu kommt, dass die so entstandenen Fasern oftmals von deutlich schlechterer Qualität als die ursprünglichen sind.

Das am häufigsten eingesetzte Verfahren ist der mechanische Recyclingprozess von Baumwolle. Da ausschließlich sortenreine Baumwolle benötigt wird, heißt es zuerst sortieren, dann Nähte, Knöpfe und Reißverschlüsse entfernen. Da Aufdrucke, Farbstoffe und Beschichtungen den Prozess zusätzlich erschweren, sollten sie nur in geringem Maße beigemischt werden. Nun werden die Fasern maschinell gerissen, was sie verkürzt, beschädigt und ihren Wert vermindert, da sie schneller reißen und damit deutlich an Funktionalität und Qualität einbüßen. Um wieder ein widerstandsfähiges Kleidungsstück zu schaffen, das nicht beim ersten Ziehen reißt, müssen hier frische Fasern beigemischt werden. Nach heutigem Stand der Technik liegt der Anteil von recycelten Fasern bei maximal 30 %.

Polyester ist bisher der einzige Rohstoff, der sich in einem chemischen Verfahren bereits heute vollständig und ohne großen Qualitätsverlust recyceln lässt. Jedoch muss man hier erwähnen, dass das recycelte Polyester hauptsächlich aus PET-Flaschen stammt, nicht aus abgetragenen Textilien.

Da die beiden Hauptrohstoffe, Baumwolle und Polyester, aktuell einfach noch zu billig sind, spielt Textil-Recycling für die Bekleidungsbranche daher momentan praktisch keine Rolle und ist aus wirtschaftlicher Sicht schlicht nicht notwendig. Dementsprechend investieren Firmen kaum in die Entwicklung von weiteren Recyclingprozessen. Ein verlustfreier Wiederverwertungskreislauf in der Textilbranche liegt somit noch in weiter Ferne.